Ehering und Trauzeuge - Tradition, aber kein Muss


Der Super Sonntag im Gespräch mit Standesbeamtin Katharina Zinke-Beinert.

Teutschenthal (ks). Sie ist jung, sie ist hübsch, sie ist freundlich und vor allem ist sie rundum bewandert, wenn es darum geht, Liebende endgültig in den Hafen der Ehe zu lotsen. Katharina Zinke-Beinert ist Standesbeamtin in Teutschenthal. Und sie hat in ihrem Traumberuf schon manche Eheschließung beurkundet. Wovon auch das liebevoll gestaltete Buch mit Hochzeitsfotos aus ihrer „Amtszeit“ beredtes Zeugnis ablegt. Was ist heute bei einer Eheschließung alles zu beachten?, wollten wir wissen und fragten:

SagJa: Darf eigentlich jeder als Standesbeamter arbeiten?
Katharina Zinke-Beinert: Eine Voraussetzung ist die Befähigung für die Laufbahn des allgemeinen Verwaltungsdienstes. Ich zum Beispiel bin diplomierte Verwaltungsfachwirtin. Auf meine Aufgabe als Standesbeamtin habe ich mich zusätzlich bei einem Grundlehrgang in der Personenstandsakademie im hessischen Bad Salzschlirf vorbereitet. Ausruhen darf ich mich auf dem einmal Gelernten allerdings nicht. Standesbeamte sind aufgefordert, sich jährlich weiterzubilden. Der Landkreis Saalekreis überprüft regelmäßig, ob auch ich dieser Verpflichtung nachkomme.

SagJa: Wann und wo können sich die Liebenden in Teutschenthal das Ja-Wort fürs Leben geben?
Katharina Zinke-Beinert: Ich traue die Paare in unserem schönen neuen Trauzimmer hier im Gemeindeamt. Und auf Schloss Teutschenthal. Eine Eheschließung in meinem Büro ist natürlich auch möglich. Gern mache ich das aber nicht. Jede Eheschließung sollte einen festlichen Rahmen haben. Schließlich soll die noch lange in guter Erinnerung bleiben.

Und was die Hochzeits-Termine betrifft: Geheiratet werden kann bei mir zu den Sprechzeiten der Gemeindeverwaltung, dazu an jedem ersten, dritten und letzten Samstag im Monat.

Grundsätzlich keine Eheschließungen gibt es in Deutschland an Sonn- und Feiertagen. Wobei auch hier gilt: Keine Regel ohne Ausnahme. Wer zum Beispiel im Rathaus von Wernigerode heiraten möchte, bekommt dort auch sonntags einen Termin.

SagJa: Wenn auf einen Heiratsantrag ein „Ja“ folgt, was sollte das Brautpaar als Erstes in Angriff nehmen?
Katharina Zinke-Beinert: Auf jeden Fall erst einmal ins Standesamt am Wohnsitz kommen. Alle Hochzeitsvorbereitungen sind erst dann sinnvoll, wenn man seinen Termin für die Eheschließung sicher hat. Heiraten kann man übrigens überall in Deutschland, in Europa und in der Welt. Anmelden muss man die Eheschließung aber immer im Standesamt am eigenen Wohnort.

SagJa: Was müssen die Heiratswilligen mitbringen, wenn sie die Eheschließung bei Ihnen beantragen?
Katharina Zinke-Beinert: Grob gesagt, den Nachweis über die eigenen Identität und darüber, dass die Heiratswilligen volljährig sind oder über eine Vollmacht zum Heiraten verfügen. In Deutschland darf man ab 18 Jahren heiraten, mit Zustimmung des gesetzlichen Vormunds auch schon mit 16 Jahren. Dazu brauche ich die Nachweise, dass die Hochzeiter geschäftsfähig, nicht in gerader Linie miteinander verwandt, nicht verheiratet oder in einer Lebensgemeinschaft gebunden sind.

SagJa: Das heißt ganz konkret?
Katharina Zinke-Beinert: Das heißt, dass die Brautleute neben dem Personalausweis oder dem Reisepass auch  eine beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister und eine Aufenthaltsbescheinigung vom Einwohnermeldeamt vorlegen müssen. Ist einer oder sind beide Partner schon einmal verheiratet gewesen, benötige ich außerdem die Eheurkunde(n)  mit Auflösungsvermerk oder das/die Scheidungsurteil(e), bei der dritten oder vierten Eheschließung eben zwei oder drei Nachweise über die rechtskräftigen Scheidungen. Möchte ein(e) Witwe(r) heiraten, gehört die Sterbeurkunde des verstorbenen Partners dazu. Gibt es gemeinsame Kinder, sind deren  Geburtsurkunden vorzulegen. Bei nicht gemeinsamen Kindern wird es schon etwas komplizierter.

SagJa: Das gilt sicher auch in Hinsicht auf das Namensrecht.
Katharina Zinke-Beinert: Richtig. Grundsätzlich gilt: Braut und Bräutigam können sich auf einen gemeinsamen Familiennamen einigen, darauf, dass jeder seinen eigenen Namen weiterführt oder auf einen Doppelnamen. Wobei nur derjenige, der den Namen des  anderen annimmt, einen Doppelnamen erhält. Gemeinsame Kinder unter 5 Jahre bekommen automatisch den Ehenamen, sind sie älter als 5 Jahre, dürfen die Eltern entscheiden. Bei nicht gemeinsamen Kindern ist die Zustimmung des eventuell vorhandenen Sorgeberechtigten einzuholen.

SagJa: Wenn ich nun in Wernigerode heiraten möchte, oder in Venedig?
Katharina Zinke-Beinert: Das ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Am besten Sie informieren sich bei Ihrem Standesbeamten am Wohnsitz. Der stellt dann auch die benötigten Unterlagen bereit.

SagJa: Sind Trauzeugen bei der Hochzeit eigentlich Pflicht?
Katharina Zinke-Beinert: Nein, sind sie nicht. Trauzeugen sind eher eine schöne Tradition. Wenn allerdings Trauzeugen (zwei sind möglich) bei der Eheschließung dabei sein sollen, müssen sie spätestens zwei Wochen vor der Eheschließung benannt sein und sich am Tag der Hochzeit ausweisen können.

SagJa: Eheringe sind auch keine Pflicht?
Katharina Zinke-Beinert: Auch die Ringe sind eher Tradition. Wobei es inzwischen auch Brautpaare gibt, die statt der Ringe Ketten oder Uhren austauschen oder nur einen Ehering zur Trauung mitbringen.

SagJa: Aber am Ende hält das frischgetraute Ehepaar die Eheurkunde in Händen, als Beweis, dass sie jetzt vor dem Gesetz zusammengehören.
Katharina Zinke-Beinert: Das richtig. Natürlich ist die Eheurkunde ein ganz wichtiges Dokument für die Frischvermählten, nicht nur für die eigene Erinnerung. Das Standesamt führt dazu die Niederschriften der Eheschließung – als so genanntes Eheregister. Daraus können jederzeit neue Urkunden erstellt werden.

PS: Seit 1874 in Deutschland das Personenstandswesen von einer kirchlichen zu einer kommunalen Aufgabe geworden ist, wird auch in Teutschenthal ein Heiratsregister geführt.

Foto: Karin Schalow