Worauf muss ein Brautpaar vor und während der Hochzeit achten?


Super Sonntag sprach mit Katharina Jahn, leitende Standesbeamtin in Merseburg

Merseburg (rp). Zwei Menschen haben sich entschieden, aus der Erde ein Stück Himmel zu machen. Vor der Hochzeit führt allerdings kein Weg am Standesamt vorbei, den auch einer kirchlichen Trauung muss in Deutschland die standesamtliche Trauung vorausgehen.

Wann muss ich mich beim Standesamt melden?
K. Jahn: „Die Anmeldung zur Eheschließung ist nur sechs Monate gültig. Ein Termin kann jedoch schon eher reserviert werden.“

Wo muss die Eheschließung angemeldet werden?
K. Jahn: „Die Eheschließung muss dort angemeldet werden, wo einer der beiden Partner seinen Hauptwohnsitz hat. Aber heiraten können sie dann, wo immer sie in Deutschland wollen.“

Welche Unterlagen sind notwendig?
K. Jahn: „Bevor die Ehe geschlossen wird, muss das Standesamt prüfen, ob es Ehehindernisse oder -verbote gibt. Folgende Unterlagen sind notwendig: die Personalausweise, beglaubigte Abschriften oder Kopien aus dem Geburtenbuch. Sie stellen die Standesämter der jeweiligen Geburtsorte aus. Bei Hochzeiten mit Ausländerbeteiligung ist eine Aufenthaltsbescheinigung notwendig. Sie ist erhältlich beim Einwohnermeldeamt des Hauptwohnsitzes.“

Für Geschiedene, Verwitwete oder Partner mit Kindern sind weitere Unterlagen notwendig.
K. Jahn: „Geschiedene müssen den Nachweis über die letzte Eheschließung (Heiratsurkunde) sowie das rechtskräftige Scheidungsurteil vorlegen, bei Verwitweten ist es die Sterbeurkunde. Bringt einer oder beide Kinder in die zukünftige Ehe ein, so sind die Geburtsturkunden der Kinder, die Vaterschaftsanerkennung und die Urkunde über die Begründung der gemeinsamen Sorge vorzulegen.“

Wie hoch sind eigentlich die Kosten für eine Eheschließung bei Standesamt?
K. Jahn: „Diese sind unterschiedlich in den jeweiligen Bundesländern. Für Sachsen-Anhalt gilt: Prüfung der Ehefähigkeit: 40 Euro, zwei Heiratsurkunden: 15 Euro, Trauung außerhalb der üblichen Öffnungszeiten: 70 Euro, Stammbuch zur Auswahl: zwischen 25 und 40 Euro und Erklärung zur Namensführung für ein gemeinsames Kind über 5 Jahre: 20 Euro.“  

Sind Trauzeugen erforderlich und wenn ja, wie viele?
K. Jahn: „Nein. Die Pflicht, zwei volljährige Trauzeugen zur Eheschließung mitzubringen, ist am 1. Juli 1999 weggefallen. Wer möchte, kann dies allerdings immer noch tun.“

Wird die Eheschließung veröffentlicht?
K. Jahn: „Nein, der Aushang, das so genannte Aufgebot, wurde zum 1. Juli 1998 ersatzlos abgeschafft.“

Ist der Ringtausch bei der Eheschließung Pflicht?
K. Jahn: „Nein. Der Ringtausch ist kein verbindlicher Bestandteil der standesamtlichen Trauung. Dennoch gelten Ringe in den meisten Fällen als äußeres Zeichen der Liebe und Verbundenheit. Bei Eheschließung mit Ausländerbeteiligung werden häufig auch Armbänder, Halsketten und Brillen gewechselt. Sie gelten in bestimmten Ländern als Symbole oder Talisman zugleich, die das Paar in eine glückliche Zukunft begleiten.“

Wenn ja, an welche Hand steckt man den Ring?
K. Jahn: „Auch hier haben die Paare freie Wahl. Es gibt keine Vorschriften.“

Was muss man zur standesamtlichen Trauung anziehen?
K. Jahn: „Es gibt hierfür weder Kleidervorschriften, noch Traditionen. Die Paare und Gäste sollten sich dem Ereignis entsprechend kleiden, vor allem sollen sie sich wohlfühlen.“ 

Wie sieht es mit Filmen und Fotografieren während der Trauung aus?
K. Jahn: „Ton- und Bildaufnahmen sind während der Trauung im Allgemeinen nicht zulässig. Das Personenstandsgesetz (Paragraph 14) verweist auf den Persönlichkeitsschutz. In Merseburg darf fotografiert und gefilmt werden, außer, wenn der Standesbeamte spricht. Um den würdigen Rahmen zu wahren, sollte möglichst nur einer (am besten ein professioneller Fotograf, der kennt das Prozedere) während der Trauung  fotografieren oder filmen.“

Was ist außerdem nicht erwünscht bzw. verboten?
K. Jahn: „Das Streuen von Blumen im Trauzimmer ist verboten, ebenso das von Reis im gesamten Haus (Unfallgefahr). Und natürlich muss das Handy abgeschaltet sein.“

Gibt es weitere Tipps der Standesbeamtin?
K. Jahn: „Ganz wichtig ist, sich vor der geplanten Trauung mit dem zuständigen Standesamt in Verbindung zu setzen. Dort sitzen die Experten, die alle anstehenden Fragen klären können. Also nicht an erster Stelle auf Freunde oder Bekannte hören.
Alle anderen Sachen zur Ausgestaltung der Hochzeitsfeier oder der Flitterwochen ist die individuelle Sache das Paares.“

Foto: R. Penske